Die Zukunft des Weins liegt in seiner Vergangenheit – Warum historische Rebsorten immer mehr Weinliebhaber begeistern

Historische Rebsorten – Die Zukunft des Weins

Es gibt Weine, die schmecken hervorragend. Und es gibt Weine, die erzählen eine Geschichte

asset_image

Historische Rebsorten gehören zweifellos zur zweiten Kategorie. Sie sind Zeugen einer jahrhundertealten Weintradition und tragen die Identität ihrer Heimat in sich. Viele dieser Reben galten bereits als verloren. Einige überlebten nur noch als einzelne verwilderte Rebstöcke an alten Bauernhöfen, in verlassenen Weinbergen oder an den Hängen abgelegener Täler.

Heute erleben diese fast vergessenen Rebsorten eine bemerkenswerte Renaissance. Immer mehr Winzer, Sommeliers und Weinliebhaber entdecken ihren außergewöhnlichen Charakter neu. Dabei geht es nicht um Nostalgie, sondern um Vielfalt, Authentizität und den Wunsch, den ursprünglichen Geschmack einer Region wiederzuentdecken.

Kaum ein Winzer verkörpert diese Entwicklung so eindrucksvoll wie Emilio Bulfon aus dem Friaul. Seine jahrzehntelange Arbeit hat dazu beigetragen, dass Rebsorten wie Piculit Neri, Blanc di San Zuan, Forgiarin, Ucelut, Cordenossa oder Sciaglin heute wieder auf den Weinbergen Norditaliens wachsen.


Warum viele Weine heute erstaunlich ähnlich schmecken

Die internationale Weinwelt wird seit Jahrzehnten von wenigen Rebsorten dominiert. Cabernet Sauvignon, Merlot, Chardonnay oder Sauvignon Blanc haben sich weltweit etabliert und prägen das Sortiment vieler Weinregionen.

Diese Entwicklung brachte zweifellos großartige Weine hervor. Gleichzeitig ging jedoch ein Teil der regionalen Vielfalt verloren. Zahlreiche Winzer ersetzten traditionelle Rebsorten durch international bekannte Sorten, weil sie wirtschaftlich attraktiver erschienen und sich leichter vermarkten ließen.

Mit jeder gerodeten Rebe verschwand jedoch mehr als nur eine Traube. Es gingen Aromen verloren, regionale Besonderheiten gerieten in Vergessenheit und jahrhundertealtes Wissen drohte zu verschwinden.

Heute suchen viele Weinliebhaber wieder genau das Gegenteil: Weine mit Herkunft, Charakter und einer Geschichte, die sich nicht beliebig kopieren lässt.


Als Europas Weinberge ihre Vielfalt verloren

Europa blickt auf eine über zweitausendjährige Weinbaugeschichte zurück. Über Jahrhunderte entwickelten sich in nahezu jeder Region eigene Rebsorten, die perfekt an Klima, Böden und Landschaft angepasst waren.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts änderte sich diese Vielfalt jedoch grundlegend. Mechanisierung, höhere Erträge und der Wunsch nach international bekannten Rebsorten führten dazu, dass viele regionale Sorten kaum noch gepflegt wurden.

Einige verschwanden vollständig.

Andere überlebten nur noch in kleinen Hausgärten oder auf wenigen alten Rebstöcken.

Mit jeder verlorenen Sorte ging zugleich ein Stück europäischer Kulturgeschichte verloren.


Die Renaissance historischer Rebsorten

Seit einigen Jahren zeichnet sich jedoch eine Gegenbewegung ab.

In vielen europäischen Weinregionen besinnen sich Winzer wieder auf ihre ursprünglichen Rebsorten. Ob Timorasso im Piemont, Pecorino in den Abruzzen, Blauer Wildbacher in der Steiermark, Elbling an der Mosel oder Godello in Spanien – überall wächst das Interesse an historischen Reben, die ihre Heimat über Jahrhunderte geprägt haben.

Diese Entwicklung steht für weit mehr als die Wiederentdeckung alter Namen.

Sie ist Ausdruck eines neuen Verständnisses von Wein.

Herkunft, Biodiversität, Nachhaltigkeit und regionale Identität gewinnen zunehmend an Bedeutung. Weinliebhaber suchen heute Authentizität statt Austauschbarkeit. Sie möchten wissen, wo ein Wein wächst, wer ihn erzeugt und welche Geschichte dahintersteht.


Emilio Bulfon – Ein Pionier für den Erhalt historischer Rebsorten

Als Emilio Bulfon zwischen Brombeersträuchern die wenigen verbliebenen Rebstöcke entdeckte, konnte niemand ahnen, dass daraus Jahrzehnte später eine der bedeutendsten Rekultivierungen historischer Rebsorten Italiens entstehen würde.

Zwischen den Kiesbänken des Tagliamento, den bewaldeten Hügeln und kleinen Dörfern des Friauls entstand eine Idee, die den Erhalt historischer Rebsorten nachhaltig prägen sollte.

Das Weingut Emilio Bulfon liegt im Voralpenland der Provinz Pordenone zwischen Wäldern, sanften Hügeln und dem Fluss Tagliamento, einem der letzten weitgehend naturbelassenen Alpenflüsse Europas.

Auf rund 15,9 Hektar Rebfläche wachsen heute etwa 11 Hektar historischer friaulischer Rebsorten. Kaum ein anderes Weingut widmet einen vergleichbaren Teil seiner Weinberge der Rekultivierung autochthoner Sorten.

Bereits Anfang der 1980er-Jahre begann Emilio Bulfon eine Mission, die damals viele für aussichtslos hielten.

Während sich zahlreiche Winzer auf international bekannte Rebsorten konzentrierten, suchte er nach den letzten Zeugnissen der ursprünglichen Weintradition des Friauls.

Seine Nachforschungen führten ihn zu alten Bauernhöfen, verlassenen Weinbergen und kleinen Kapellen. Dort entdeckte er vereinzelt noch wenige verwilderte Rebstöcke – stille Zeugen einer fast vergessenen Vergangenheit.

Emilio Bulfon-Weine aus dem Friaul-das letzte Abendmahl

Für viele Menschen waren diese Pflanzen wertlos.

Für Emilio Bulfon waren sie ein unwiederbringliches kulturelles Erbe.

Mit dem Fund begann die eigentliche Arbeit.

Gemeinsam mit Ampelographen, Forschungseinrichtungen und Rebschulen wurden die Reben bestimmt, dokumentiert und über viele Jahre hinweg vermehrt. Gesunde Triebe mussten ausgewählt, veredelt und in kleinen Versuchsflächen erneut angepflanzt werden.

Erst nach vielen Jahren zeigte sich, welche Rebsorten dauerhaft erhalten werden konnten.

Aus wenigen verwilderten Rebstöcken entstanden wieder lebendige Weinberge.

Heute wachsen daraus außergewöhnliche Weine, die den Charakter des Friauls in einzigartiger Weise widerspiegeln.


Nationale Anerkennung für jahrzehntelange Pionierarbeit

Was einst als ungewöhnliche Idee begann, gilt heute als beispielhaft für den Erhalt der genetischen Vielfalt im Weinbau.

Im Jahr 2026 wurde das Lebenswerk von Emilio Bulfon in zwei bedeutenden Veröffentlichungen der Forschungsvereinigung G.R.A.S.P.O. gewürdigt.

Die Bücher „100 Custodi per 100 Vitigni – La Biodiversità Viticola in Italia“ sowie „Vitigni Rari Italiani – Storie di Patriarchi, Profeti ed Eroi“ stellen Menschen vor, die sich in besonderer Weise für den Erhalt seltener italienischer Rebsorten einsetzen.

Dass Emilio Bulfon darin aufgenommen wurde, ist weit mehr als eine persönliche Auszeichnung.

Es bestätigt, dass seine jahrzehntelange Arbeit heute als wichtiger Beitrag zum Erhalt der italienischen Weinbaugeschichte angesehen wird.

Historische Rebsorten sind nicht nur alte Reben. Sie sind lebendige Kulturgeschichte.

Die sechs historischen Rebsorten – Jede erzählt ihre eigene Geschichte

Emilio Bulfon rettete nicht nur einzelne Rebstöcke. Er bewahrte ein Stück der weinbaulichen Identität des Friauls. Jede dieser Rebsorten besitzt ihren eigenen Charakter, ihre eigene Geschichte und ihre eigene Persönlichkeit. Gemeinsam zeigen sie eindrucksvoll, wie vielfältig Wein sein kann.

Jahrzehntelang wusste kaum jemand, dass diese Rebsorte überhaupt noch existierte.


Piculit Neri – Die fast verschwundene Rarität

Piculit Neri zählt zu den seltensten Rotweinrebsorten Italiens. Über viele Jahrzehnte galt sie beinahe als ausgestorben. Erst durch die beharrliche Arbeit von Emilio Bulfon konnte sie wieder kultiviert werden.

Der Wein begeistert mit einer eleganten Struktur, feinen Tanninen und Aromen dunkler Waldbeeren, Schwarzkirschen sowie dezenten Gewürznoten. Trotz seiner Kraft bewahrt er eine bemerkenswerte Eleganz und eignet sich hervorragend als Begleiter zu Wildgerichten, Lamm oder gereiftem Hartkäse.

Piculit Neri ist kein Wein für jeden Tag – sondern eine Entdeckung für Genießer, die das Besondere suchen.


Blanc di San Zuan – Die vergessene Seele des Friauls

Blanc di San Zuan gehört zu den ältesten historischen Weißweinrebsorten der Region. Heute ist sie nahezu ausschließlich durch die Rekultivierungsarbeit von Emilio Bulfon erhalten geblieben.

Der Wein zeigt florale Noten, reife Birne, weißen Pfirsich und feine Kräuteraromen. Seine elegante Mineralität und lebendige Frische verleihen ihm einen unverwechselbaren Charakter.

Gerade diese Feinheit macht Blanc di San Zuan zu einem hervorragenden Speisenbegleiter für Fisch, Meeresfrüchte und leichte mediterrane Küche.


Forgiarin – Kraft und Eleganz in perfekter Balance

Forgiarin ist eine autochthone Rotweinrebsorte mit außergewöhnlicher Persönlichkeit. Sie verbindet intensive Frucht mit einer feinen Würze und eleganten Tanninstruktur.

Im Glas entfalten sich Aromen dunkler Kirschen, Brombeeren und mediterraner Kräuter. Gleichzeitig bewahrt der Wein eine bemerkenswerte Frische und Ausgewogenheit.

Forgiarin zeigt eindrucksvoll, dass historische Rebsorten keineswegs nur von historischem Interesse sind, sondern auch qualitativ höchste Ansprüche erfüllen können.


Ucelut – Frische und Mineralität

Ucelut gehört zu den seltensten Weißweinrebsorten Norditaliens.

Seine lebendige Säure, feine Mineralität und elegante Frucht machen ihn zu einem außergewöhnlichen Vertreter historischer Weißweine.

Aromen von Zitrusfrüchten, grünem Apfel, weißen Blüten und Kräutern verleihen ihm eine bemerkenswerte Frische. Gerade an warmen Sommertagen zeigt Ucelut seine ganze Stärke.


Cordenossa – Eleganz mit floralem Charakter

Cordenossa überzeugt durch feine florale Aromen, zarte Kräuternoten und eine elegante Mineralität.

Der Wein wirkt leichtfüßig, besitzt aber gleichzeitig Tiefe und Struktur. Seine Eigenständigkeit macht ihn zu einer spannenden Alternative für Weinliebhaber, die gerne neue Geschmackserlebnisse entdecken.


Sciaglin – Charaktervoll und authentisch

Sciaglin zählt ebenfalls zu den historischen Rotweinrebsorten des Friauls.

Seine intensive Frucht, feine Würze und harmonische Struktur spiegeln die ursprüngliche Weintradition der Region wider.

Mit jedem Glas wird deutlich, weshalb Emilio Bulfon diese Rebsorte unbedingt erhalten wollte.


Warum Sommeliers historische Rebsorten schätzen

In der Spitzengastronomie gewinnen historische Rebsorten seit einigen Jahren zunehmend an Bedeutung.

Der Grund dafür ist einfach.

Sie besitzen Eigenschaften, die internationale Standardsorten häufig nicht mehr bieten können.

  • unverwechselbare Aromatik

  • klare Herkunft

  • limitierte Produktion

  • spannende Geschichten

  • hohe Individualität

  • authentischer Charakter

Für Sommeliers sind solche Weine eine Bereicherung ihrer Weinkarten. Sie ermöglichen Gästen neue Geschmackserlebnisse und erzählen Geschichten, die weit über den Inhalt einer Flasche hinausgehen.


Biodiversität – Warum jede Rebsorte zählt

Der Erhalt historischer Rebsorten ist weit mehr als eine romantische Erinnerung an vergangene Zeiten.

Jede erhaltene Rebe erweitert die genetische Vielfalt des europäischen Weinbaus. Diese Vielfalt kann künftig eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, den Weinbau an veränderte Klimabedingungen anzupassen und regionale Besonderheiten zu bewahren.

Historische Rebsorten tragen dazu bei,

  • genetische Vielfalt zu erhalten,

  • regionale Identität zu stärken,

  • traditionelle Weinlandschaften zu bewahren,

  • altes Wissen an kommende Generationen weiterzugeben.

Genau deshalb rücken historische Rebsorten heute wieder stärker in den Fokus – als wertvoller Bestandteil der biologischen Vielfalt und des weinbaulichen Kulturerbes Europas.


Die Lost Grapes Collection – Eine Reise durch das historische Friaul

Wer historische Rebsorten kennenlernen möchte, findet in der Lost Grapes Collection den idealen Einstieg.

Die Kollektion vereint ausgewählte Weine aus den rekultivierten Rebsorten des Weinguts Emilio Bulfon und ermöglicht eine außergewöhnliche Genussreise durch das Friaul.

Jede Flasche erzählt ihre eigene Geschichte. Gemeinsam zeigen sie eindrucksvoll, wie vielfältig, elegant und charaktervoll historische Rebsorten sein können.

Die Lost Grapes Collection ist deshalb weit mehr als ein Weinpaket. Sie ist eine Einladung, ein fast vergessenes Kapitel europäischer Weinkultur neu zu entdecken.


Fazit – Die Zukunft beginnt mit dem Bewahren

Nicht jede Innovation entsteht durch etwas Neues.

Manchmal entsteht sie dadurch, dass Menschen den Mut haben, Vergessenes wiederzuentdecken.

Genau das hat Emilio Bulfon getan.

Während vielerorts historische Rebsorten verschwanden, machte er sich auf die Suche nach den letzten erhaltenen Rebstöcken. Mit Geduld, wissenschaftlicher Unterstützung und außergewöhnlicher Beharrlichkeit gelang es ihm, Rebsorten zu bewahren, die heute wieder zu den faszinierendsten Weinen Italiens gehören.

Sein Lebenswerk zeigt eindrucksvoll, dass Wein weit mehr ist als ein Genussmittel.

Er ist Kultur, Geschichte, Landschaft und Identität zugleich.

Wer heute einen Wein aus Piculit Neri, Blanc di San Zuan, Forgiarin, Ucelut, Cordenossa oder Sciaglin öffnet, genießt deshalb nicht nur einen außergewöhnlichen Wein.

Er bewahrt zugleich ein Stück europäischer Weinkultur.

Vielleicht liegt genau darin die Zukunft des Weins.

Nicht im ständigen Streben nach dem Neuen.

Sondern im Respekt vor dem, was beinahe verloren gegangen wäre.

Vielleicht liegt die Zukunft des Weins tatsächlich nicht in immer neuen Rebsorten oder Technologien. Vielleicht beginnt sie dort, wo Menschen bereit sind, das zu bewahren, was Generationen vor ihnen geschaffen haben. Jede gerettete Rebe erzählt davon – und jedes Glas erinnert daran, dass kulturelles Erbe nicht im Museum lebt, sondern im Weinberg.